Das Landhandelsunternehmen Weiler-Heineberg-Flechtheim hatte einen guten Ruf über Jahrzehnte. Es hatte Außenstandorte oder Zusammenarbeit mit Firmen in Höxter, Holzminden, Münster u. a. Orten. Das Unternehmen war breit aufgestellt und bediente ein großes Warenangebot mit Viehhandel.

1845 von Moses Flechtheim gegründet als Getreidehandel, wurde es bald mit den Partnern Heineberg und Weil erweitert. Die Familiennamen jüdischer Familien sind eng mit Brakel verbunden und tauchen an vielen Stellen auf. Im Volksmund wurde das Unternehmen die als „Die heiligen drei Könige“ oder "Die drei Weisen" bezeichnet. 


Der Geschäftsbereich umfasst Produkte aller Art. Zunächst war das Unternehmen in der Kernstadt angesiedelt und hatte verschiedene Orte des Verkaufes und Lagerhaltung, z. B.:

  • Am Markt 10: Kaufmann Josef Weiler (später Werkzeug-Haushaltswaren Salmen)
  • Hanekamp 5: Lagerhaus Sämereien (später Schuhhaus Brune)
  • Am Thy 1: Handelsort (später Bereich Parkplatz hinter der Alten Waage)
  • Burgstr. 5: Lagerhaus und Viehhandel: Ein langer Trog für die Pferde zog sich tief in die Gebäude hinein (später zeitweilig Gartenmarkt)
  • Nordmauer: 2 Scheunen jenseits der Mauer

1925 übernahm die Landhandelsgesellschaft die ehemalige Fabrik Chemischen Werke der Firma Henkel & Baertling, Holzminden ("Essigfabrik") an der Warburger Straße 38.

Zur Lage: Es ist das Gelände direkt hinter der Eisenbahnbücke rechts, heute Agravis-Kornhaus.

Silos wurden errichtet, ein eigener Bahnanschluss war vorhanden.


Ab 1938 wurden die jüdischen Geschäfte enteignet und von anderen Unternehmen übernommen. In diesem Fall war es die Westfälische Zentralgenossenschaft  (WZG), die bereits in der Driburger Straße eine Niederlassung betrieb. Dieser Nebensitz wurde um 1970 aufgegeben. Andere Firmennamen der Genossenschaft waren WCGRCG (Raiffeisen-Centralgenossenschaft), dann Agravis Kornhaus Ostwestfalen.

a wcg 1929   s 42 weiler heineberg flechtheim 291786

Anzeigen in der Schrift "100-Jahrfeier der Stadt Brakel 829 - 1929" [1]

   

 

Der Partner Weiler ist im Niekammer Adressbuch von 1931 aufgeführt als Weiler'sche Erben mit 53 ha Landbesitz: hier.  


Die drei Familien hatten als Kaufleute weiteren Besitz bzw. Nutzung von Gebäuden in Brakel [2]:

  • Fam. Weiler (Hermann, Josef): Wohnhaus Am Gänseanger 5 sowie  Am Thy 3, Am Markt 2, 8, 10  
  • Fam. Heineberg (Hugo): Wohnhaus Am Gänseanger 9 sowie Am Thy 8  
  • Fam. Flechtheim (Julius, Otto, Richard): Wohnhaus Am Thy 2-6 sowie Kirchplatz 1

 

Anmerkung

[1] Hinweis zum Standort Eissen: Das Kornhaus Eissen wurde Anfang 1920er Jahre auf dem Reichsbahngelände mit mit Gleisanschluss errichtet, bei der WCG später als Lager 2 geführt. Gebäude und Anlage gehören heute (2020) der Fa. Bio-Engemann, Eissen. Über den Standort im Höxter ist im Moment nichts bekannt. 

[2] Quelle: Aus dem Straßenverzeichnis der Stadt Brakel 1921 (Manuskript bei der Einführung von Straßennummern)